PRESSEBERICHT: Körperkult als Religionsersatz: Gottesdienst im Fitnessstudio

Sonntags-Special der Christuskirche im Injoy-Fitnessstudio

Fitte Familie: Pfrin. Valerie Ebert-Schewe mit Mann einem der vier Sprösslinge

Schweinfurt, 15. Juli 2012. Ist die Fitnessbewegung eine Ersatzreligion? Steht dahinter Körperkult oder Gesundheitsbewusstsein? Solchen und ähnlichen Fragen ging das Sonntagsspecial der Christuskirche nach, das einmal im Jahr außerhalb des Gotteshauses an einem ungewohnten Ort stattfindet. Diesmal war die Gemeinde im Injoy-Fitnessstudio zu Gast, Pfarrerin Valerie Ebert-Schewe und ihr Team hatten das Thema „Fit for fun - fit for god“ vorbereitet.

Statt eines Orgelpräludiums stimmen Klemens und Ingrid Hoffelner am Keyboard die etwa 50 Besucher mit „Sport und Musik“ auf den Gottesdienst ein. Auf dem Podest der Multihalle ist ein Altartisch aufgebaut, dahinter legen sich drei Team-Mitglieder auf Spinning Bikes gewaltig in die Pedale.

In einer Spielszene verteidigen die drei Biker – gegen kritische Fragen der Pfarrerin – den Wert einer Fitness-Betätigung in einem Studio: Unabhängigkeit vom Verein, auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt, flexible Termine, gut beraten. Tatsächlich haben in Deutschland die Fitnessstudios mit 7,6 Millionen Nutzern die Sportvereine längst überholt. Seit 2005 hat sich der Anteil der deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren am Fitnessmarkt um etwa 50 Prozent erhöht. Diesen Markt teilen sich etwa 7000 Fitnessstudios mit einem Potenzial von vier Milliarden Euro.

Trotzdem: „Wir dürfen und sollten immer mal wieder nach der wirklichen Motivation bei Bewegung und Sport fragen“, meint Pfarrerin Ebert-Schewe. Geht es um die Freude an der Bewegung, um körperlichen Ausgleich, um Gesundheit, im weitesten Sinne um Schönheit? Wunderbar! Aber wir sollten uns nicht zur Verzweiflung treiben lassen von Idealmaßen, die so nicht nötig sind. „Mit ähnlichen Auswirkungen wie bei Anorexie plagen Menschen ihren Körper, bis es nicht mehr geht“, so die Pfarrerin. Müsse man wirklich, wie Madonna, mit über 50 Jahren einen Teenagerkörper vorzeigen können?

Wellness wolle dem Körper etwas Gutes tun. Dies sei zu begrüßen, denn gar so „leibfeindlich“ sei der christliche Glaube wirklich nicht. Für ihn sei der Körper ein Tempel – etwas Heiliges und Schönes. Aber er sei letztlich ein Zweckbau für die Seele, für die Persönlichkeit. Im Gottesdienst könne man etwas Gutes für die Seele tun. Etwa dem Gedanken begegnen, dass das Wesentliche im Leben ein Geschenk sei. Oder dem Gedanken, dass ich als Mensch immer nur auf das Miteinander mit anderen angewiesen sei. Für den anderen da zu sein, ihm zu helfen – erst das mache das Leben reich und erfüllt. Und die Möglichkeiten dazu seien vielfältig vorhanden. […]

(aus: Schweinfurter Tagblatt vom 17.7.2012; Text: Manfred Herker)