PRESSESCHAU: Bio-Bohne und Kirche

Über eine Kaffeerösterei in Euerbach

Andreas Duft: Sänger, Komponist, Kaffeeexperte, Ökonom und Pfarrer

Euerbach, 1. März 2014. Mit so klangvollen Namen wie „Ethiopia Mocca“, „Brasil-India Espresso“, „Petit noir“ oder „Jakobus-Pilger Mischung“ hat Röstmeister Heinz Wehner seine Kaffees versehen. Oder mit „Il Profumino“, eine Abänderung des italienischen Wortes „profumo“ für „Duft“. Was nicht nur auf den typischen Geruch von Kaffeebohnen hinweist, die er in seiner kleinen Rösterei in Euerbach handwerklich veredelt. Ausschließlich von Bio-Kaffeebohnen versteht sich. „Duft“ weist auch auf den Namen des evangelischen Pfarrers von Euerbach hin und ein ungewöhnliches Kooperationsprojekt zwischen Kirche und Wirtschaft, mit biologischem Anbau, fairem Handel und regionaler Vermarktung.

Wann in Euerbach Kaffee geröstet wird, kann man schon bei der Einfahrt auf der B 303 ins Dorf deutlich riechen. Leicht süßlich hängt dann eine Duftwolke über der Straße. Was nicht bei jedem Anwohner Wohlgefallen auslöst. „Ich bin dann so frei zu sagen: Das riecht besser als eine Schweinemästerei, und die dürfte hier auch sein“, entgegnet Heinz Wehner und verweist auf den Standort seiner Kaffeerösterei in dem ausgewiesenen Mischgebiet. Mitten im Dorf, an der Hauptstraße 48, hat er sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht mit seiner Bio-Kaffeerösterei.

Kräftig unterstützt wurde er dabei von der evangelischen Pfarrgemeinde, der das damals leer stehende Anwesen gehört, und ihrem Pfarrer Andreas Duft. Über dessen persönlichen Kontakte zum Kaffeehändler und Kaffeeröster Rainer Braun in Mainaschaff wurde die Unternehmensidee geboren, dort konnte sich der damals 40-jährige Heinz Wehner – arbeitslos, aber gelernter Bäcker und Kaufmann – das Handwerkszeug zum Kaffeeröster aneignen. [...]

Die besondere Komponente an der Geschäftsbeziehung zwischen Kirche und Welt ist auch, dass Wehner von jedem seiner verkauften Kaffees – nicht nur vom „Euerbacher Kirchburg Kaffee“ – ein „Beutelgeld“ an die evangelische Kirchengemeinde zahlt, also eine variable, umsatzabhängige Pacht für Gebäude und Gelände. Damit kann die laufende Sanierung des Gotteshauses ordentlich unterstützt werden.

Das kleine Unternehmen ist in zehn Jahren kontinuierlich gewachsen, zwei Teilzeitkräfte arbeiten dort mittlerweile neben dem Röstmeister. Mengenmäßig hat es sich von 240 Kilo eingekauften Rohkaffee auf fast 20 Tonnen pro Jahr gesteigert. [...]

(aus: Schweinfurter Tagblatt vom 1.3.2014, S. 32; Text: Silvia Eidel)