Installation von Pfarrerin Valerie Ebert-Schewe

Nein, Valerie Ebert-Schewe ist beileibe keine neue Pfarrerin für die drei Gemeinden Zell, Weipoltshausen und Madenhausen, sondern „nur“ – endlich - installiert worden. „Endlich!“ Auf dieses Wörtchen legte Dekan Oliver Bruckmann bei seiner Ansprache den Akzent: Obwohl Frau Ebert-Schewe nach Weggang des Pfarrerehepaars Judith und Michael Krauß Mitte 2009 sofort mit der hauptamtlichen Vertretung beauftragt worden sei, hätte die fast drei Jahre vakante Pfarrstelle erst jetzt ganz offiziell wieder besetzt werden können. „Die neue Landesstellenplanung kam uns in die Quere.“

Bruckmann dankte den Kirchenvorständen, dass sie in dieser Zeit ihr „eindeutiges Engagement und richtiges Augenmaß nicht verloren“ hätten. Andererseits bedauerte er, dass die Gemeinden, bedingt durch die demografische Entwicklung, in den letzten zehn Jahren um fast 200 Glieder geschrumpft seien. „Ist es ein Sterben auf Raten?“

Doch hatte der Dekan auch Trost parat: Zwar würden die Gemeinden kleiner und ärmer, aber gewiss nicht bedeutungslos und „hoffentlich auch nicht weniger lebendig.“ Nicht um Zahlen und Statistiken dürfe es gehen, sondern die Liebe müsse wachsen, „mit der wir einander wahrnehmen und wertschätzen“. Auch in Zukunft brauche es engagierte ehrenamtliche MitarbeiterInnen und theologisch fundiert ausgebildete Hautamtliche mit bibelfester, zeitgemäßer Verkündigung, nachgehender Seelsorge und überzeugendem Unterricht.

Pfr. Dr. Wolfgang Weich, Senior des Pfarrkapitels, verlass sodann die Installationsurkunde in Beamtendeutsch, dass der Pfarrerin zusätzlich zu ihrem bisherigen Einsatz auf der Pfarrstelle Zell im Umfang eines halben Dienstverhältnisses die Stelle mit allgemeinkirchlichen Aufgaben zur Dienstleistung in dieser Kirchengemeinde im Umfang von 25% eines vollen Dienstverhältnisses mit Wirkung vom 1. Januar 2012 übertragen worden sei, - im Klartext:  Frau Ebert-Schewe hat nun dort eine dreiviertel Stelle inne.

Nachdem sie ihre Bereitschaft, den Dienst einer Pfarrerin in besagten drei Orten zu übernehmen, „vor Gott und dieser Gemeinde“ bekundet und dafür den Segen empfangen hatte, schritt sie zur Predigt, die sie mit dem überraschenden persönlichen Bekenntnis: „Ich war noch nie bei einem Ostermarsch dabei“ begann, doch überlege sie es sich nun mitzumachen. 

Ein Satz aus dem aktuellen Sonntagspredigtext (Kolosser 2,15) hatte die Pfarrerin dazu inspiriert: „Er (Gott) hat die Reichen und die Gewaltigen ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.“ Paulus würde die Mächte nackt und ungeschminkt vorführen, wobei sie sich darunter eine Prozession vorstellte: das Gotteslamm vorneweg marschierend, inmitten von Tod und Teufel.

Kritisch ging dann Ebert-Schewe mit der deutschen Waffenlobby ins Gericht: Deutschland mache Geschäfte mit Waffen, derzeit mit dem U-Boot für Israel. „Kleinwaffen sind die neuen Massenvernichtungswaffen! Darf unser Land mit solchen Waffen Geld verdienen?“ Ihr eindringlicher Appell lautete, dem Gott Mammon nicht zu viel Gewicht zu geben. (Als ob sich in Zell eine Munitionsfabrik befände!)

Sehr persönlich wurde sie auch, als sie ihren Pfarrdienst als großes Geschenk bezeichnete und dankbar das rege Leben in den drei Gemeinden resümierte: den Ostermorgen, die „lebhaften“ Konfirmanden, die Vorbereitung der KV-Wahl, das Baugeschehen an Bayerns ältestem Pfarrhaus, überhaupt die Begegnung einerseits mit Menschen, „die plötzlich wache Augen kriegen“, andererseits mit Menschen, die Tränen gefüllte Augen hätten. Da erkenne sie, „wie begrenzt unsere Kraft“ sei.

Als avisierte „Ostermarschteststrecke“ bezeichnete die neue, alte Pfarrerin abschließend recht entschärft den Fußweg zum 500 Meter entfernten Mehrgenerationenhaus, wo gleich der Empfang stattfinden und das Büfett bereitstehen würde. „Seid ihr dabei?“
Der Festgottesdienst, ausgestaltet von gleich drei Chören unter Leitung von Marina Skrzybski, mündete aus in der Feier des Heiligen Abendmahls.

Das angekündigte Beisammensein mit Grußworten schloss sich an: Landessynodalin Renate Käser griff das Spiel „Stadt – Land – Fluss“ auf: Die Pfarrerin komme aus einer dynamischen Schweinfurter Stadtgemeinde (der Christuskirche) in drei tatkräftige Landgemeinden. Das Land stehe auch im Blick der Landeskirche als einer Flächenkirche. Und mit dem Fluss meinte Frau Käser natürlich den Main, den nun die Pfarrerin gegen einen Bach im Zeller Grund eingetauscht habe.

Dann tauchte eine Pfadfinderabordnung auf, um der neuen Hausherrin symbolisch einen Schlüsselanhänger, einen Kompass, eine Leuchte und eine schrille Pfeife zu überreichen.
Die drei Kirchenvorstände schenkten gemeinsam ihrer Pfarrerin neue Dienstkleidung - und zwar eine Stola.
Und Frau Ebert-Schewe durfte ihre seit zehn Jahren brachliegenden Geigenspielkenntnisse wieder auffrischen, als ihre benachbarten Lauertalkollegen Eva Thelen (Maßbach) und Dr. Wolfgang Weich (Poppenlauer), ausgestattet mit Oboe und Geige, sie zu einem gemeinsamen Ständchen mehr oder minder animierten. Diese musikalischen Künste der Pfarrerin können folglich ihre Gemeindeglieder und die Ortsvereine nun voraussetzen und gerne regelmäßig abrufen. Zumindest wird vorerst nichts mit einem österlichen Marsch. Denn schon am Montag beginnt für die Pfarrerin erst einmal der Unterricht an der Grundschule in Üchtelhausen.