"Mein Gott, Walter!"

Pfarrer Neunhoeffer verlässt das Dekanat Schweinfurt

 
Einzug der Geistlichkeit: (vorne) Vikar Oliver Englert und Senior Pfr. Dr. Wolfgang Weich; (hinten) Pfr. Neunhoeffer u. Dekan Oliver Bruckmann        Nachdenkliche Abschiedspredigt
   
 Natürlich durfte "Mein Gott, Walter" nicht fehlen: der Dekan mit

rhetorischem u. weinhaltigem Abschiedsgeschenk     

 

Maßbach, Himmelfahrt 2009. „Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen!“ Schillers Worte (aus: „Die Kraniche des Ibykus“) haben sich wieder mal augenfällig bestätigt – und zwar in Maßbach am 21. Mai anlässlich der Verabschiedung von Pfarrer Walter Neunhoeffer. Ob die Kirche an Heiligabend wieder so voll sein wird wie jetzt an Himmelfahrt? Zudem dürften es genauso viele draußen an Tischen und Bänken unterm Zelt und in der Pfarrscheune gewesen sein, die über Lautsprecher den Worten und Liedern in der St. Bartholomäus-Kirche lauschten. Fast alle Pfarrerskolleginnen und –kollegen aus dem Dekanatsbezirk begleiteten feierlich mit Talar den Abschiedsgottesdienst.
Immerhin 17 Jahre – wohlgemerkt: seit 1992! – hat Neunhoeffer dort gewirkt: gekommen als Pfarrer zur Anstellung (Ordination: 1992), geblieben seit 1996 als ordentlicher Pfarrer und jetzt im Gehen begriffen als Stellvertretender Dekan!
Immer wieder war in den Grußworten zu hören, welch ein guter, vor allem sensibler Seelsorger er gewesen sei und dass  er „wirklich lebendige, wunderbare Diakonie“ praktiziert habe. So unter vielen anderen Dekan Oliver Bruckmann. Neunhoeffer habe seine vier Gemeinden „wie Perlen in einem Schatzkästlein“ gehütet und hinterlassen. „So kann man Kirche im 21. Jahrhundert bauen.“ In sehr persönlichen Worten erinnerte der Dekan auch an seine erste Begegnung mit Walter Neunhoeffer, dem er schon damals „lebendige, wertschätzende Wahrnehmung“ abspürte. Und natürlich bedauerte er dessen Weggehen: „Mein Gott, Walter!“ Dann entband er ihn von allen Pflichten als Pfarrer und Stellvertretenden Dekan im Dekanatsbezirk Schweinfurt und segnete die gesamte Familie Neunhoeffer.
Recht weise beantwortete Neunhoeffer in seiner Abschiedspredigt die Frage, wer oder was ihn besonders theologisch und menschlich geprägt habe, mit: „Meine Gemeinden im Lauertal“. Hier habe er gelernt, wie man dem Glauben Sprache verleihen könne. Doch vergleichbar den Jüngern nach Jesu Himmelfahrt seien ihm die Augen erst jetzt – „hinterher und im Nachhinein“ – dafür richtig geöffnet worden. In den Jüngern damals entdeckte er aber auch seine nun „verwaiste“ Gemeinde und sprach ihr Trost zu: Die Jünger wären ja nach Jesu Weggang nicht alleingelassen, sondern „begeistert“, sprich an Pfingsten mit dem Heiligen Geist erfüllt worden.
Von den vielen Lobeshymnen seien nur die vom Bürgermeister der Marktgemeinde Maßbach, Johannes Wegner, und von den katholischen Geistlichen Pfr. Manfred Finger (Poppenlauer) und Pater Sony (Pfarreiengemeinschaft Maßbach/Thundorf) erwähnt: Neunhoeffers größte Leistung sei es gewesen, den christlichen Glauben vorgelebt und nahegebracht zu haben, - so Wegner, während Pfr. Finger die ökumenische Verbundenheit hervorhob: „Mit Ihnen war Ökumene etwas Handfestes, Herrliches.“ Rührend auch die Dankesworte der Neunhoeffer-Kinder an die Adresse ihrer Eltern sowie an ausgewählte Maßbacher. Übrigens: Der KV schenkte dem Scheidenden einen neuen Talar und das Pfarrkapitel 39prozentiges Feuerwasser, verziert mit den Konterfeis der 39 geistlichen Kolleginnen und Kollegen des Dekanates.

Rückblick: Vier Entwicklungsperioden

In einem persönlichen Gespräch mit dem Webmaster hat Walter Neunhoeffer seine Dienstzeit in vier Schaffensphasen untergliedert:
- die Gemeindeaufbau-Phase mit Verwirklichung vieler neuer Ideen (Familiengottesdienste, Feier der Osternacht, Gesprächskreis), mit Baumaßnahmen (z.B. der Umbau der Pfarrscheune) und Schwerpunktsetzung auf Konfirmanden- und Jugendarbeit
- die Ökumene-Phase, wie sie sich seither u.a. im ökumenischen Friedensgebet und in einer festen Ökumeneseite im Gemeindebrief darstellt
- die Diakonie-Phase mit Bildung eines neuen Diakonievereins und dem Bau des Pflegeheimes Erhard-Klement-Haus samt Diakoniestation
- die Kooperationsphase aller evangelischen Lauertal-Gemeinden, die sich besonders in Gottesdiensten zusammen mit Poppenlauer und im gemeinsamen Gemeindebrief („Gemeinsam zusammen wachsen – im Glauben verwurzelt“) zeigt.

Ausblick: Warum Bamberg?

Pfr. Neunhoeffer sieht in der neuen Stelle Bamberg-St. Stephan II eine neue Herausforderung und kommt rasch ins Schwärmen: eine Kirche - denkmalgeschützt, mit langer Tradition, reicher Kirchenmusik, schönen Räumlichkeiten, zudem in der Stadtmitte gelegen.
In dieser Dekanatskirche wird er die Pfarramtsführung übernehmen. Zwar habe er hierfür, wie er offen bekundet, „keine ausgesprochene Leidenschaft“, aber er bescheinigt sich administrative Fähigkeiten und ist zweifelsohne ausgewiesener Verwaltungsfachmann und Experte in Bauangelegenheiten.

Hierbei von Vorteil waren sein Vorsitz in vier Kirchenvorständen, die Betreuung von gleich elf Gebäuden, dann natürlich die Funktion des Stellvertretenden Dekans, die er fünf Jahre innehatte. Darüber hinaus war er einer der beiden Schulbeauftragten des Dekanates, sodann für die Dekanatsjugend tätig und in der Krankenhaus-Seelsorgekonferenz vertreten, ferner drei Mal Mentor eines Lehrvikars, im Vorstand des Kindergarten-Trägervereins und und und. Es soll und darf hier nicht zu viel geschrieben werden, sonst fühlen sich womöglich an der Nachfolge Interessierte von Neunhoeffers übergroßen Fußstapfen abgeschreckt.

Künftig wird in der pfarramtlichen Praxis sein Schwerpunkt auf der Seniorenarbeit liegen, gibt es doch in seinem neuen Sprengel gleich vier Seniorenheime. Er freut sich auf „ein neugieriges, offenes, selbstbewusstes Aufeinanderzugehen“. Und Familie Neunhoeffer? Frau Annette wird weiter von Bamberg nach Schonungen pendeln, wo sie als Erzieherin arbeitet. Auch Jakob, das jüngste der drei Kinder, das noch im Familienverbund lebt, wird weiterhin das Celtis-Gymnasium in Schweinfurt besuchen, um dort in zwei Jahren sein Abitur zu machen.---

Es wurde in Maßbach ganz bestimmt ein langer Himmelfahrtstag bis in die tiefste Nacht hinein, geprägt von traurig-fröhlicher Abschiedsstimmung und sicher ohne Rücksicht auf die Sperrstunde. Nein, die Fahnen im Lauertal wehen trotzdem nicht auf Halbmast. Die Gemeinden Maßbach, Rothhausen, Thundorf und Volkershausen zeigen Verständnis für Neunhoeffers berufliche und familiäre Entscheidung. Mit dem großen Schriftgelehrten Hillel, einem älteren Zeitgenossen Jesu, gesprochen: „Wenn nicht jetzt - wann dann?“ Längst läuft die Neuausschreibung der Pfarrstelle. Währenddessen nimmt Pfr. Dr. Wolfgang Weich aus dem benachbarten Poppenlauer die Vakanzvertretung wahr.
Im Namen des Dekanates Schweinfurt wünschen wir Pfarrer Neunhoeffer und seiner Familie einen gesegneten Neubeginn in Oberfranken!

   
    Hier wird sein Name stehen: die Pfarrer-"Ahnentafel" von Maßbach           "Ordnung ist das halbe Leben": mit Sekretärin Margit Krug
   
Die um Pfr. Neunhoeffer verkleinerte "Bonanza-Crew" (v.l.) Vikar  Oliver Englert und Pfr. Dr. Wolfgang Weich hat immer noch gut lachen.