Auf der Suche nach der Ökumene

Die Hauptamtlichen des Dekanats fuhren nach Rom

Bild des Benutzers Heiko Kuschel
Gruppenbild auf der Terrasse des ARD-Studios mit Petersdom im Hintergrund und ARD-Korrespondent Tillmann Kleinjung (rechts)

Wie leben Christ:innen in unseren Nachbarländern? Was beschäftigt sie? Wie organisieren sie sich? Mit solchen Fragen reisen Hauptamtliche des Dekanats Schweinfurt etwa alle zwei Jahre gemeinsam an interessante Orte. Diesmal ging’s für eine knappe Woche mit dem Nachtzug nach Rom.

Als „Reiseleiter“ waren Oberkirchenrat i.R. Michael Martin und seine Frau Bettina dabei. Als Leiter der Abteilung Ökumene und kirchliches Leben im Landeskirchenamt hatte Michael Martin natürlich hervorragende Kontakte in Rom. So konnte er uns nicht nur die „beste Eisdiele Roms“ empfehlen, sondern vor allem interessante Kontakte vermitteln.

Natürlich könnte man nun seitenlang in Berichten über touristische Sehenswürdigkeiten, Pizza, Pasta und Eis schwelgen. Das gab’s natürlich auch, doch vor allem beschäftigte uns die Frage: Wie positioniert sich eigentlich die ökumenische Gemeinschaft hier, im Zentrum der römisch-katholischen Kirche?

Also: Besuch im Einheitsdikasterium, sozusagen dem römisch-katholischen Ministerium für die Einheit der Christen, wo wir dessen Präfekten Kurt Kardinal Koch und Pater Dr. Augustinus Sander trafen. Trotz freundlichen Empfangs und offener Gespräche: Eine ernüchternde Begegnung für alle, die sich baldige Kirchengemeinschaft oder wenigstens Abendmahlsgemeinschaft erhofft hatten. Hier sind noch viele Gespräche zu führen. Manches wird vor Ort vielleicht leichter umzusetzen sein als auf den offiziellen Wegen.

Aber: Selbst in Rom gibt es nicht nur Katholiken! Im Anglican Centre, dem Zentrum der anglikanischen Kirche, wurden wir als echte Geschwister im Glauben begrüßt. Auch hier hatte der Prozess der Annäherung viele Jahre gedauert, erst 2025 hatten bayerische Landeskirche und die anglikanische Kirche volle Kirchengemeinschaft vereinbart. 

In der Lutherischen Christuskirche stellte uns Pfarrer Dr. Michael Jonas Arbeit und Leben der weit verstreuten deutschen Gemeinde vor. Die etwa 500 Mitglieder, viele mit deutschen Wurzeln, führen auch über die sonntäglichen Gottesdienste hinaus ein nahezu „normales“ Gemeindeleben.

Die Christuskirche hat in Rom natürlich eine besondere Stellung. Ihr Pfarrer wird – obwohl er eigentlich „nur“ Gemeindepfarrer ist – immer auch als Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland wahrgenommen. Und seit Papst Johannes Paul II im Jahr 1983 die evangelische Christuskirche besucht hat, haben auch seine Nachfolger die Einladung der kleinen Minderheitskirche angenommen. Papst Benedikt XVI. predigte im März 2010 während eines Gottesdienstes in der Christuskirche. Und Papst Franziskus schenkte anlässlich seines Besuchs sogar einen Abendmahlskelch – ein Zeichen der Hoffnung, dass beim gemeinsamen Abendmahl doch etwas vorangehen könnte? Die vorherige Begegnung im Einheitsdikasterium lässt da doch sehr dran zweifeln. Ein Besuch von Leo XIV. steht bisher noch aus.

Die kleine Gemeinschaft der Waldenser hatten wir bereits einige Jahre zuvor in den Waldensertälern bei Turin besucht. Doch auch in Rom ist sie sehr präsent, betreibt unter anderem das Hotel „Casa Valdese“, in dem wir übernachteten. An der bekannten Waldenser-Universität empfing uns der Dekan der Waldenserfakultät, Prof. Lothar Vogel (selbst aus Baden-Württenberg) in einem kleinen Hörsaal und berichtete von den Herausforderungen, in der Diaspora einen Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten. 

Beeindruckend der abendliche Besuch in der Gemeinschaft Sant’Egidio: 1968 in Rom gegründet, setzt sie sich inzwischen in 70 Ländern der Welt ein für Gebet, für die Armen und für den Frieden. Eine stark diakonisch ausgerichtete Gemeinschaft mit möglichst flacher Hierarchie und vielen Freiwilligen, die an den unterschiedlichsten Stellen mitwirken.  Doch auch das Gebet ist ihnen wichtig: Die Abendandacht war schon vor langer Zeit aus der eigentlich zu Sant’Egidio gehörigen kleinen Kirche in die viel größere Santa Maria in Trastevere umgezogen, wo wir mit Hunderten anderen eine internationale Abendacht samt Simultanübersetzung über Kopfhörer erlebten.

Und auch das gehört zum Engagement der Gemeinschaft: Die Trattoria degli Amici, die von Sant’Egidio gegründet wurde und in der auch benachteiligte Menschen mitarbeiten. Dort feierten wir beim gemeinsamen Abendessen einen schönen Abschluss einer intensiven Woche.

Freitag: Auschecken, noch ein paar Erkundungen in der Stadt machen, bevor es dann gegen 18 Uhr mit dem Nachtzug in Liege- bzw. Schlafabteilen wieder nach Hause ging. Übrigens: Entgegen der üblichen Vorurteile waren alle Züge praktisch pünktlich und brachten uns die etwa 1000 Kilometer sicher hin und zurück.

Am Samstagmittag waren wir zurück in Schweinfurt, voller Eindrücke und ökumenischer Begegnungen, die noch lange nachwirken werden. Und mit dem Wissen: Ökumene ist oft langwierig und mühsam, insbesondere auf der obersten Ebene. Aber Rom ist weit. 18 Zugstunden weit, um genau zu sein. Vor Ort sind wir in manchen Dingen schon weiter – und da bleiben wir dran.