Abschied von Pfarrerin Christiane Müller

Abschied: die Geburt von Erinnerungen!

 

   
 Nicht nur der Himmel trug Trauer: Einzug der Kolleginnen und Kollegen           Pfarrerin Christiane Müller redete Tacheles

 

Schweinfurt-Bergl, 7. November 2010: Als wäre es erst gestern gewesen: Am 25. März 2007 war sie in ihr Amt eingeführt worden (s. Archiv 2007, Nr. 19). Nur dreieinhalb Jahre im schönen Schweinfurt sind eine recht kurze Zeit. Da stellt man schon, wenn man auf einmal zum Gehen genötigt wird, die Frage nach dem Sinn. Pfarrerin Christiane Müller beantwortete sie in ihrem Abschiedsgottesdienst mit weiteren Fragen: "War ich nur Übergangspfarrerin, die falsche Besetzung oder war die Zeit noch nicht reif für einen Neuanfang an der Auferstehungskirche im Stadtteil Bergl? ... Der Boden am Bergl ist hart." Viele ihrer Kolleginnen und Kollegen waren trotz Ferienzeit gekommen, um ihr Anerkennung für ihre Arbeit zu zollen. Auch die Gemeinde war stark vertreten; selbst Oberbürgermeister Sebastian Remelé, am Bergl aufgewachsenzeigte Präsenz und Anteilnahme. Der Evang. Posaunenchor, der Frauenchor und eine Lobpreisgruppe der Gemeinde gestalteten die Feierstunde musikalisch aus.

In ihrer autobiographisch gefärbten Predigt (über Römer 14,7-9) kritisierte die Pfarrerin das vorschnelle Urteilen über andere Menschen. Freilich sei niemand - auch sie selbst nicht - von vorschnellem Richten und Verurteilen ganz frei. Doch grenze es an Blasphemie, das eigene, subjektive Urteil gar mit Bibelversen begründen zu wollen. Nur Gott stehe ein letztgültiges Urteil zu. Er sage im Rückblick, was gut und was schlecht gewesen sei und könne auch aus Abgebrochenem etwas Neues beginnen. Sie selbst schaue nur nach vorn. Dankbarkeit gegenüber Gott und den Gemeindegliedern überwiege.

Dass Müllers Weggang auf Differenzen mit ihrem Kirchenvorstand beruhte, ließ Dekan Oliver Bruckmann bei seiner Würdigung ihrer Verdienste durchblicken: Mit ihr verliere das Dekanat ein besonders spirituelles Profil. Die Volkskirche liege ihr sehr am Herzen, weshalb sie sich an der Auferstehungskirche um einen vermittelnden Ansatz zwischen charismatisch geprägter Gemeindeleitung und volkskirchlich strukturierter Gemeinde mit immerhin 2000 Gliedern bemüht habe. Denn ein Kirchenvorstand müsse alle Richtungen einer Gemeinde abbilden! Am Ende sei eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen KV und Pfarrerin nicht mehr gegeben gewesen. Für ihre neue Stelle in Coburg - St. Lukas ab dem 1. Januar 2011 wünschte der Dekan: "Gottes Schutz und Segen trage Sie auf dem Weg, der vor ihnen liegt." Anschließend entpflichtete er Pfrin. Müller von allen Aufgaben einer Pfarrerin in Schweinfurt und erklärte, er selbst werde nun die Geschäftsführung während der Vakanzzeit übernehmen.

Die etwas gedrückte Stimmung vermochte auch der Kindergartenchor mit dem Lied "Ich schenk' dir einen Sonnenstrahl" nicht aufzuhellen. Besonders für den Gemeindekindergarten und für die neue Leiterin hatte sich die Pfarrerin stark gemacht. Eine Kindergartenmitarbeiterin tröstete sie: "Jeder Abschied ist die Geburt einer Erinnerung." Im Namen des Pfarrkapitels bekundeten Senior Dr. Weich und die stellvertretende Seniorin und Pfarrerin der benachbarten Kreuzkirche Christhild Grafe ihr Bedauern über Müllers Fortgang; Grafe versuchte ihre Kollegin aufzuheitern: "Humor ist, wenn man trotzdem Christ bleibt." Weitere Grüße überbrachten der ev.-methodistische Pfarrer Andreas Jahreiß im Namen der Evangelischen Allianz: "Wir haben bewegte Zeiten erleben dürfen." OB Remelé mahnte u.a. an, man solle Pfarrern mit Respekt begegnen; sie seien nicht durch Laien ersetzbar. Der katholische Kollege Bernhard Öchslen von der Christkönig-Gemeinde blickte dankbar auf gemeinsame Veranstaltungen zurück. Auch die Evangelische Jugend war vertreten und bedankte sich, denn mit Frau Müller verliert sie eine der beiden Dekanatsjugendpfarrerinnen.

Mit Spannung ist in den nächsten Monaten zu verfolgen, wie es zu einem Miteinander zwischen Orts- und charismatischer Personalgemeinde an der Auferstehungskirche kommen und wer sich dort die neue geistliche Leitung zutrauen wird. Sie aber, Frau Müller, leben in unserem Herzen weiter. Gott befohlen!

 

   
      Auch Dekan Bruckmann fand deutliche Worte  OB Sebastian Remelé artikulierte Betroffenheit und Sympathie
   
Die Kindergartenkinder verbanden mit jedem einzelnen Sonnenstrahl einen Segenswunsch für die Pfarrerin. Lächeln fürs Poesiealbum: Pfrin. Müller mit Luisa von der Evang. Jugend

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Pfrin. Christiane Müller verabschiedet sich

(aus: "Monatsgruß der evang.-luth. Gemeinde Auferstehungskirche Schweinfurt", Okt./Nov. 2010)

"Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeindeglieder, bei manchen hat es sich schon herumgesprochen: Ich lege zum 7.11.2010 die Kirchengemeinde Auferstehungskirche nieder und bin ab dem 1.1.2011 Pfarrerin in der Kirchengemeinde St. Lukas, Coburg. In der Zeit dazwischen bin ich zur Erholung und zum Urlaub auf dem Schwanberg in einem Einkehrhaus für kirchliche Mitarbeiter und mache da eine Art Kur, was für meine Gesundheit sehr nötig ist. [...]

Warum musste ich so entscheiden, warum muss ich gehen? Zunächst einmal: Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Es fällt mir schwer, die Gemeinde zu verlassen. Vor allem, weil ich mich ja gerade erst eingewöhnt habe. Dreieinhalb Jahre waren es, und das ist im Leben einer Gemeinde und auch einer Pfarrerin nur eine sehr kurze Zeit. Ich merke, dass mich die Menschen am Bergl mögen und als ihre Pfarrerin akzeptiert haben, und ich war gern Ihre Pfarrerin. Ich habe gern an Ihrem Leben teilgenommen, Freude und Schmerz mit Ihnen geteilt. [...] Das werde ich als mir liebe Erinnerung nach Coburg mitnehmen.

Warum ich gehe, hat nichts mit dem Bergl oder mit der Gemeindearbeit hier zu tun. Sondern damit, dass es in unserer Gemeinde einen Richtungsstreit gibt. Dieser Konflikt hat mich die letzten Jahre sehr viel Kraft gekostet. Leider konnte ich mit meiner Arbeit hier nicht beiden Seiten gerecht werden. Die einen waren begeistert von mir, die anderen enttäuscht. Daher legte mir der Kirchenvorstand nahe zu gehen. Unter diesen Umständen, so leid es mir tut, sehe ich auch keine andere Möglichkeit, als dies zu tun.

Es tut mir sehr, sehr leid, liebe Gemeindeglieder, dass ich Sie alleine lassen muss und mein Weggang die Mehrzahl der evangelischen Christen am Bergl enttäuschen wird. Ich hoffe, dass sich bald ein Pfarrer oder eine Pfarrerin findet, der/die mit dem Kirchenvorstand reibungsloser zusammenarbeitet, als ich es konnte und zugleich die mannigfaltigen Aufgaben in der Gemeindearbeit mit derselben Liebe und Freude erfüllt, mit der ich das getan habe. [...] Ja, es ist schade, dass es so kommen musste. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass es irgendwie weitergeht - weitergehen wird, weitergehen muss - für Sie als Gemeinde, aber auch für mich, so schwierig das jetzt ist." [...]

Gott befohlen! Ihre Christiane Müller, Pfarrerin

 

   
 Webmasters erstes Foto von Pfrin. Müller: 18.3.2007     Wie die Zeiten sich ändern: Foto vom 09.10.2010