Räume für die Zukunft

Gemeindeversammlung in Schwebheim zur Neukonzeption der Gemeinderäume

Bild des Benutzers Heiko Kuschel
Entsteht hier rechts neben dem Bibrasaal ein neuer Gemeinderaum?

Schwebheim. Seit Jahren gibt es Diskussionen in der evangelischen Kirchengemeinde Schwebheim um die Frage nach neuen Gemeinderäumen. Mit einer Gemeindeversammlung im Freien vor dem „Bibra-Saal“ hat die Kirchengemeinde nun einen ersten Schritt getan, um letztlich zu einer Entscheidung zu kommen, die von einem Großteil der Gemeindeglieder getragen werden kann.

Das Interesse war riesig: Die unter Corona-Bedingungen maximal mögliche Zahl von100 Personen hatte sich angemeldet. Auf dem Podium saßen neben Pfarrer Tobias Wölfel Dekan Oliver Bruckmann aus Schweinfurt, der landeskirchliche Architekt Stefan Lautner sowie Christian Stuhlfauth von der Gemeindeakademie Rummelsberg, der die Veranstaltung moderierte.
Pfarrer Wölfel, selbst erst vier Monate im Amt, schilderte zunächst die Ausgangssituation:

Vor knapp 50 Jahren baute die Kirchengemeinde im damaligen Neubaugebiet „an der Heide“ das Evangelische Gemeindezentrum „EGZ“, in dem seit dieser Zeit viele Veranstaltungen und auch Gottesdienste stattfanden. Damals ein mutiger und richtiger Schritt, dort hin zu gehen, wo die jungen Menschen sind, wo das Leben spielt. Doch ein halbes Jahrhundert später ist der Bau – trotz aller Schönheitsreparaturen – dringend sanierungsbedürftig, wenn es nicht sogar günstiger wäre, ihn abzureißen und neu zu bauen. Soweit herrscht in der Gemeinde wohl weitgehend Einigkeit. Auch die Finanzierung ist für die noch relativ wohlhabende Gemeinde zwar eine Herausforderung, aber nicht das größte Problem.

Angesichts dieser Ausgangssituation stellte sich der Kirchenvorstand jedoch die Frage: Ist es überhaupt sinnvoll, an diesem Ort zu investieren, oder sind heute andere Lösungen sinnvoller?

Dabei kamen neben der Sanierung bzw. Abriss und Neubau des EGZ mehrere alternative Vorschläge in Betracht:

  1. Eine Zusammenarbeit mit der katholischen Pfarrgemeinde, deren Pfarrgemeindezentrum in direkter Nachbarschaft des EGZ ebenfalls sanierungsbedürftig, aber noch etwas besser in Schuss ist, um dort ein ökumenisches Zentrum zu bilden. Dieser Vorschlag wurde jedoch sowohl vom evangelischen Kirchenvorstand als auch vom katholischen Pfarrgemeinderat verneint, da er mit erheblichen rechtlichen und organisatorischen Komplikationen verbunden wäre und die ausgezeichnete ökumenische Zusammenarbeit dadurch eher schwieriger als besser geworden wäre, so Wölfel.
  2. Ein Abriss und Neubau des Gebäudes Kirchplatz 17, das der Gemeinde vermacht wurde und das mindestens stark renovierungsbedürftig ist. Um das Gebäude ins Dorfbild einzupassen, müsste es aber zweistöckig gebaut werden, was dem Ziel eines ebenerdigen und barrierefreien Zentrums entgegenstünde.
  3. Ein Anbau an den bestehenden Komplex aus Bibra-Saal (alter Dorfkirche) und der modernen Auferstehungskirche, die vom berühmten Architekten Olaf Andreas Gulbransson gebaut wurde. Dies hätte den Vorteil, dass an zentraler Stelle im Ort ein vorhandener Saal wieder mehr genutzt werden könnte. Es bräuchte lediglich eine Erweiterung um ein oder zwei Räume, eine ebenerdige Küche, Toiletten und Abstellräume, um zu einem modernen, zentral gelegenen Gemeindezentrum zu kommen. Wie genau dieser Anbau gestaltet werden könnte und wo er sich an die bestehenden Gebäude anschließen könnte, ist noch völlig unklar. Natürlich aber würde er, selbst wenn er an der unauffälligsten Stelle „hinter“ der Kirche gebaut würde, das Ensemble aus Bibra-Saal, Gulbransson-Kirche und Rathaus mitten auf dem Dorfplatz verändern. Doch selbst das Denkmalamt meinte in einer ersten Stellungnahme, dieser Platz sei sowieso schon immer ständigen Veränderungen unterworfen gewesen. Es habe keine Bedenken. Aus Denkmalschutzsicht könnte man sich sogar vorstellen, den Neubau in etwa an die früher vorhandenen Gaden anzupassen. Jedenfalls: „Das gegenwärtige Erscheinungsbild des Schwebheimer Kirchplatzes mit der freigestellten Kirche entspricht weder der historischen Bebauung, noch der Entwurfsidee von Olaf Andreas Gulbransson, noch der damaligen Auffassung des BlfD.“
    Auch die politische Gemeinde hatte Interesse angemeldet, für die Zeit, in der die Räume nicht anderweitig genutzt werden, einzelne Räume für das aus allen Nähten platzende Rathaus anzumieten. Auch das ist jedoch erst einmal nur ein Gedankenspiel.

Bereits vor Jahren hatte der Kirchenvorstand eine Standortanalyse in Auftrag gegeben. Unter Berücksichtigung aller Faktoren hatte er sich letztlich nach langen Beratungen für einen Erweiterungsbau am Bibrasaal entschieden – und zwar ohne Gegenstimmen bei lediglich einer Enthaltung.

Pfarrer Wölfel betonte nochmals, dass es sich dabei bisher lediglich um eine Standort-Vorentscheidung handelte. „Noch gibt es keine Entwürfe!“ Auch Verträge seien noch keine gemacht. Allerdings gebe es eben auch Vorgaben der Landeskirche, die damit rechnet, dass die Kirchengemeinden in Zukunft schrumpfen und dadurch auch kleinere Räume nötig werden dürften. Heute gehe die Tendenz bei den Raumkonzepten daher deutlich in Richtung Konzentration auf wenige eigene Orte und im Ausgleich dazu Kooperation mit anderen in der Fläche, wo zu bestimmten Gelegenheiten Räume gebraucht werden.

Architekt Lautner betonte in einer Stellungnahme, wie hilfreich der Bibrasaal sein könnte, um z.B. nach dem Gottesdienst einen Platz zum gemeinsamen Kaffeetrinken zu haben. Letztlich fehle es aber an Abstellräumen, Toiletten und einer Küche, die bisher zwar vorhanden, aber im Obergeschoss untergebracht sei, was nicht ungefährlich sei.

Dekan Bruckmann wies auf die langen Vakanzen in der Kirchengemeinde hin, die die Kommunikation immer wieder unterbrochen hatten. „Das hat dem Prozess nicht gut getan.“ Jetzt aber sei die Chance, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Konzeptionen zu betrachten.

Diese Chance ergriffen dann in mehreren Frage- und Antwortrunden auch viele Teilnehmende. In zum Teil sehr emotionalen Statements wurden Für und Wider der Lösungen beleuchtet. Insbesondere die zahlreich vertretenen Gegner der Anbau-Lösung am Kirchplatz hatten Hunderte von Unterschriften auch aus den umliegenden Ortschaften gesammelt. Ihnen geht es zum einen um den Erhalt des EGZ am bisherigen Standort, aber auch darum, die Gebäude am zentralen Platz des Ortes in der derzeitigen Form unverändert zu erhalten.

Die Fragen nach den geschätzten Kosten der jeweiligen Lösungen konnten auch vom Architekten nicht seriös beantwortet werden. Das liege daran, so Lautner, dass es eben noch gar keine Entwürfe oder Vorentscheidungen gebe. „Wir sind noch in Phase Null“. Die Schätzungen der Kosten für eine Sanierung des EGZ am vorhandenen Ort, die aus dem Publikum genannt wurden, reichten von 350.000 € bis „rechnen Sie da mal mindestens den Faktor 2 drauf, eher deutlich mehr“.

Kritisiert wurde auch, dass die Idee eines gemeinsamen ökumenischen Gemeindezentrums nicht weiter verfolgt wurde – dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch die katholische Seite diesen Plan abgelehnt hatte und es seitens des Bistums Würzburg sowieso auf absehbare Zeit einen kompletten Stopp aller Bauvorhaben gibt.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass viele sich von der damaligen Entscheidung des Kirchenvorstands nicht mitgenommen und ernst genommen gefühlt hatten. Dabei ist es für einen Austausch von Argumenten noch nicht zu spät. Sicherlich wird es hier noch einiges zu tun geben, um alle ausreichend zu informieren und einzubeziehen. Auch hier sorgte sicherlich die lange Vakanzzeit für eine Verschärfung. Dazu kamen die Schwierigkeiten, unter Corona-Bedingungen eine Gemeindeversammlung abzuhalten, so dass sich der Austausch letztlich sehr lange hinauszog.

Moderator Stuhlfauth, der konsequent auf die Einhaltung der Gesprächskultur achtete, fasste seine Eindrücke am Ende so zusammen: „Mir scheint, Sie müssen sich erst einmal darüber klar werden: Wie wollen wir Gemeinde sein? Was ist uns wichtig? Wenn das geklärt ist, ergeben sich die Baufragen daraus wie von selbst.“ Zum Standort des EGZ merkte er an, dass die Entscheidung, dort zu bauen, vor einem halben Jahrhundert sicherlich richtig und auch mutig war. „Doch die Lösungen von früher sind oft die Probleme von heute.“

Pfarrer Wölfel sah abschließend seinen Status als Neuling durchaus positiv: „Ich kann immer sagen, das war vor meiner Zeit.“ Er lud die Gemeinde ein, konstruktiv auf die andere Seite zuzugehen und die Veranstaltung dieses Abends als einen Neustart anzusehen. „Schauen wir nicht zurück: Was wurde nicht gemacht? Sondern lassen wir alte Wunden heilen und blicken wir gemeinsam nach vorn!“ Dafür könnte die Gemeindeversammlung der Startpunkt sein, um – wieder – miteinander ins Gespräch zu kommen.

Für dieses Gespräch innerhalb der Gemeinde werden noch einige Schritte nötig sein. Der Kirchenvorstand ist nun am Zug, zu überlegen, wie es weitergehen kann. Welche Lösung am Ende herauskommt, scheint nach diesem Abend durchaus noch offen zu sein.

Auf www.schwebheim-evangelisch.de finden Interessierte unter dem Menüpunkt „Räume für die Zukunft“ viele weitergehende Informationen.