Von der Weite des Seelsorgebezirkes zum weiten Raum der Ewigkeit

Dienstältester Pfarrer des Dekanats verabschiedet

Pfr. Lösch predigte mit Rück- und Ausblick über seinen Lieblingspsalm 139

Werneck, So., 18. Januar 2014. Fast genau zehn Jahre hat Pfarrer Friedrich Lösch das Gemeindeleben von Markt Werneck inklusive seiner 15 Außenorte geleitet und geprägt. Offenbar hat es ihm und seiner Frau Sabine dort so gefallen, dass beide inzwischen aus dem Pfarrhaus in ein Eigenheim umgezogen sind und damit im Dekanatsbezirk wohnen bleiben.

Mit dem Nachmittagsgottesdienst in der erwartungsgemäß übervollen Schlosskapelle Werneck endete für den beliebten Pfarrer zugleich ein 35 Jahre währendes Berufsleben. Für seine Abschiedspredigt hatte Lösch den 139. Psalm gewählt: Herr, du erforschest mich und kennest mich ... Diesen bekannten „Text unserer Glaubensgeschichte“ habe er als Konfirmand auswendig lernen müssen, wobei er den erhobenen Zeigefinger spürte: „Gott passt auf dich auf. Mach' ja nichts falsch!“ Seitdem habe ihn, Lösch, der Psalm mit seinen stärkenden Bildern als roter Faden seines Glaubens begleitet und sei vom Buß- zum Trostpsalm geworden.

Aber: „Kenne denn ich mich selber? Kenne ich einen anderen je ganz?“ Gut deshalb zu wissen: „Einer kennt mich: Gott.“ Von allen Seiten umgibst du mich: „Wer kann das je fassen! Gottes Machtbereich endet nicht, ist grenzenlos, Raum und Zeit übergreifend.“ Rückschauend bekundete der Pfarrer, dass er sehr viel Dank Gott gegenüber habe: „Gott wollte mich, wie ich bin.“ Daher dürfe er auch Ja zu sich selber sagen und mit dem Leben, das hinter ihm liege, Frieden schließen.

Sollte ich nicht hassen, Herr, die dich hassen? Ja, öfters sei er auch aggressiv gewesen, aber „selbst diese Seite, die ich nicht mag, darf ich vor Gott hinbringen.“ Er dankte allen, die ihn begleiteten und ihm weiterhalfen. „Vergebung gehört dazu: auch sich selber vergeben können und um Vergebung bitten für das eigene Versagen.“

und leite mich auf ewigem Wege: Pfr. Lösch schloss mit einem Ausblick: „Wie viele Jahre bleiben noch?“ Aber er wisse sich geleitet unter dem Segen Gottes, der zum ewigen Fest in der Ewigkeit einlade.

Nein, eine wertschätzende Lobrede auf seine Arbeit wolle er nicht haben. Doch Dekan Oliver Bruckmann wies auf den guten Brauch hin, bei einer Verabschiedung zumindest noch einmal die Stationen des dienstlichen Weges Revue passieren zu lassen: Vikar in Gestungshausen (DB Coburg), 1980 Ordination und erste Pfarrstelle in Röslau (DB Wunsiedel) im Fichtelgebirge, ab 1991 sieben Jahre Dienst bei der Landvolkshochschule Hesselberg, sodann sieben Jahre Dekan von Wassertrüdingen – und schließlich seit dem 13. März 2005 Pfarrer in der Kirchengemeinde Werneck samt Krankenhausseelsorge in den Kliniken und im Marktkrankenhaus. Der Dekan dankte ihm besonders für diese Seelsorgedienste und für seinen „aufmerksamen Blick auf die ländlichen Regionen unserer Kirche“. Frau Lösch sei „ein ganz freundliches Gesicht in der Gemeinde“ und immer „mit anpackend“ gewesen. Sodann entband Dekan Bruckmann den mit 65 Jahren dienstältesten Pfarrer des Dekanats von allen pfarramtlichen Pflichten – ab dem 1. Februar wird er sich offiziell im Ruhestand befinden – und segnete das Ehepaar am Altar.

Die Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes, Dr. Ulrike Schmier, moderierte das Nachmittagsbeisammensein zunächst im Foyer, dann im ansprechenden Café Balthasar des vom Barock-Baumeister Balthasar Neumann errichteten Wernecker Schlosses. Ihr Mann Dr. Klaus Schmier, der zuvor die Orgel bedient hatte, lockerte die Gastredner-Beiträge mit gefälligem Piano-Spiel auf.

Für den Bezirk Unterfranken sprach Rainer Klingert, Geschäftsleiter der Krankenhäuser und Heime des Bezirks Unterfranken: Pfarrer Lösch werde ihm in Erinnerung bleiben als einer, „der das Herz stets am rechten Fleck hat“. Der zunächst gelernte Agraringenieur sei ein typischer Landpfarrer gewesen. Auch Wernecks Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl würdigte den Pfarrer über 1020 Gemeindeglieder und seine praktizierte Ökumene, zumal die Wohnungen des katholischen und evangelischen Geistlichen nur 120 Meter voneinander entfernt lagen.

Dem konnte Pater Thomas Pullattu von der Pfarreiengemeinschaft Maria im Werntal nur beipflichten, indem er viele gemeinsame konfessionsübergreifende Aktivitäten aufzählte, ebenso wie Löschs katholischer Kollege Diakon Bernhard Fenn im orthodopädischen Krankenhaus Schloss Werneck.

Die evangelische „Fraktion“ wurde von der Landessynodalen Renate Käser angeführt, die mit ihrem Statistikwissen, dass evangelische Pfarrer eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung hätten, für Heiterkeit sorgte: „Sie haben jetzt ja Zeit.“ Weil Gott Löschs Füße angesichts von 16 Gemeindeteilen dienstlich „auf weiten Raum“ gestellt habe, wünschte sie ihm nunmehr einen erfüllten Lebensraum im Ruhestand. Als Senior des Pfarrkapitels zeigte sich Pfr. Dr. Wolfgang Weich über die vier Bänke voller Pfarrerskollegen beim Abschiedsgottesdienst sehr erfreut, - auch darüber, dass Kollege Lösch dem Dekanat erhalten bleibe.

Unter Betonung der Wertigkeit der Krankenhaus-Seelsorge verabschiedete Pfarrerin Susanne Rosa/Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt ihren Freund Friedrich aus dem Seelsorger-Kreis: „Du hast Kirche ins Krankenhaus gebraucht.“ Bis zur Wiederbesetzung der Stelle wird sie in den diversen Häusern Wernecks den Dienst übernehmen, Pfarrer Ivar Brückner/Obereisenheim die Vakanzvertretung im Pfarramt.

Das Schlusswort gebührte dem Ruheständler: „Man muss sich ganz einbringen als Person und doch einen Schutzraum behalten.“ Noch einmal erinnerte er an seinen fast 100 Quadratkilometer umfassenden Seelsorgebezirk, um dann den tröstlichen Vorblick aus seiner Predigt aufzugreifen: „Der weite Raum der Ewigkeit erwartet uns.“

Bleibt nur anzumerken, dass man sich derweil schon noch da und dort auf Erden, selbst in Werneck, begegnen sollte.